![]() |
![]() |
| Verlag > Logistik für Unternehmen > Aktuell > Marktumfrage |
|
|
MarktumfrageErgebnisse einer LfU-Umfrage unter Personalverantwortlichen aus Logistik-Unternehmen
Auf die Praxiserfahrung kommt es an Nachwuchsführungskräfte haben es nicht leicht: Ob als frisch gebackene Absolventen oder bereits mit mehreren Jahren Berufserfahrung, der Weg auf der Karriereleiter will gut geplant sein. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten können zusätzliche Qualifikationen entscheidende Faktoren sein. Doch was genau müssen angehende Führungskräfte mitbringen? Logistik für Unternehmen fragte Personalverantwortliche aus den unterschiedlichsten Bereichen der Logistik, was sie sich von Bewerbern und aufstrebenden Mitarbeitern erwarten und was sie in der aktuellen Situation raten. Wer die Wahl hat, hat die Qual: Dem Logistik-Nachwuchs bieten sich heute zahlreiche Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. Bei der stets steigenden Zahl der Angebote für eine akademisch fundierte Logistikausbildung fällt die Entscheidung schwer. Dabei ist es entscheidend, die angestrebte Karriere vorher zu planen und zielgerichtet vorzugehen. Doch was erwarten die Unternehmen der Logistik-Branche vom Nachwuchs? Was muss ein idealer Bewerber mitbringen und wer hat die Nase vorn? Der entscheidende Faktor ist für die meisten Unternehmen, „dass die Studenten während ihres Studiums bereits Praxiserfahrungen sammeln. Ob sie diese durch Praktika während eines Vollzeit-Studiums oder während eines berufsbegleitenden Studiums erlangen, ist dabei zweitrangig“, betont Jan Barz, stellv. Abteilungsleiter Talent Management & Sourcing bei der Deutschen Post DHL. „Wir haben Mitarbeiter sowohl mit abgeschlossenem berufsbegleitenden als auch mit Vollzeit-Studium. Für uns spielt der Weg zum Abschluss eines Studiums eher eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist der Mensch selbst sowie die Fähigkeiten, und dazu zählen nicht nur die technischen Fähigkeiten, die er sich im Laufe der Zeit angeeignet hat“, bestätigt auch Matthias Kramm, Geschäftsführer von Vanderlande Industries. Da beide Ausbildungswege Vor- und Nachteile haben, kommt es den Unternehmen vor allem darauf an, dass die potentiellen Nachwuchsführungskräfte die jeweiligen Nachteile durch eigenes Engagement ausgleichen. So bieten ein berufsbegleitendes oder ein Berufsakademie-Studium eine enge Verbindung akademischer Inhalte mit einer berufspraktischen Ausbildung. Dafür sind Absolventen eines Vollzeit-Studienganges häufig theoretisch fundierter ausgebildet. „Allerdings fällt es ihnen mitunter schwer, ihr komplexes Wissen in eine entsprechende Form zu gießen. Beispielsweise zu erkennen, wie wissenschaftlich detailliert eine Analyse sein muss. In der Hochschulausbildung kommt zudem die Kommunikation und Zusammenarbeit in einem großen, sozialen Gebilde, wie eben einem Unternehmen, zu kurz. Absolventen scheitern nicht selten an mangelnder oder nicht adressatengerechter Kommunikation. Aber gerade die sozialen Kompetenzen sind mit entscheidend für einen erfolgreichen Entwicklungs- und Karriereweg", unterstreicht Steffen Wurst, Member of the Management Board of DB Schenker, Human Resources. Für eine Beraterkarriere, ist genau das sehr fundierte akademische Wissen wiederum der zentrale Schlüssel: „In der Beratungsbranche – insbesondere in der technischen Beratung – rekrutieren wir maßgeblich Mitarbeiter von den Universitäten, die ein entsprechendes Vollzeit-Studium absolviert haben und einen klassischen Bildungsweg aufweisen können. In einem Beratungsunternehmen wird gefordert, mit einem Minimum an Informationen hoch komplexe Lösungen zu erarbeiten. Diese Arbeitsmethodik haben die Studenten i. d. R. bereits im Rahmen ihrer Prüfungen und der Diplomarbeit angewendet. Da sie nicht wie in einem schulischen System durch ihr Studium geführt werden, bevorzugen wir diese oftmals, da sie schneller mit hoher Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein eingesetzt werden können“, ergänzt Harald J. Geitz, Geschäftsführer/ Partner der i+o Industrieplanung + Organisation GmbH & Co. KG. Allerdings spielt auch für Geitz der Praxisbezug eine entscheidende Rolle, dafür fordert er studienbegleitende Praktika. Der ideale Kandidat bringt also einen guten Mix aus praktischen Branchenkenntnissen und strategischen Fähigkeiten mit, um die Prozesse im Unternehmen weiter zu optimieren. Wie in allen Branchen können Bewerber zudem besonders durch zusätzliche Kenntnisse und soziales Engagement punkten. „Die LogistikBranche ist sehr international, daher sind gute Sprachkenntnisse immer ein Pluspunkt“, unterstreicht Kai Mohnfelder aus dem Bereich Personalmanagement der Duisburger Hafen AG. Allerdings reichen sehr gute Englisch-Kenntnisse hier meist nicht aus: „Diese setzen wir sowieso voraus – das ist heute selbstverständlich. Eine zweite Fremdsprache, wie Spanisch, Französisch oder Russisch, kann sehr hilfreich sein. Für einen Berufseinstieg im europäischen Bereich sind Auslandsaufenthalte eine Grundvoraussetzung, um die nötige internationale Kompetenz aufzubauen“, verdeutlicht Christoph Theile, Abteilungsleiter HR Development & Training bei der Hermes Logistik Gruppe. Auch Steffen Wurst bestätigt: „Als internationales Unternehmen setzen wir Sprachkenntnisse voraus, besonders in Englisch. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich auch von Vorteil, wenn Bewerber über interkulturelle Erfahrungen verfügen.“ Diese können Studenten besonders gut mit einem Praktikum bzw. ein oder zwei Semestern Studium im Ausland nachweisen. Darüber hinaus zählen zu den ausschlaggebenden Kriterien im Lebenslauf für die Logistik-Spezialisten auch: „Jede Form eines Engagements, in dem die Fähigkeiten geschärft werden, eine Gruppe zu führen, Gedanken und Ideen zu präsentieren und zu verkaufen sowie das Verantwortungsbewusstsein gestärkt wird“, erläutert Geitz. „Eine immer größere Rolle neben Fachwissen und Know-how spielt die soziale Kompetenz des Einzelnen. Die Fähigkeit im Team zu arbeiten, sich zu integrieren, andere zu tolerieren und Wissen zu teilen, ist nicht immer angeboren, sondern muss erlernt werden“, hebt auch Kramm hervor. Wie diese Fähigkeiten nachgewiesen werden – ob durch privates soziales Engagement, Auslandsaufenthalte, Weiterbildungskurse oder z. B. im Rahmen von Praktika – bleibt jedem selbst überlassen. Aber auch wer bereits einen Arbeitsplatz hat und noch das ein oder andere „Manko“ im eigenen Lebenslauf sieht, kann aus einer Vielzahl an Möglichkeiten wählen, um diese Lücken zu schließen. Oft wird dies von den Unternehmen nicht nur unterstützt, sondern sogar gefordert: „Wir achten nicht nur bei Berufseinsteigern, sondern auch bei erfahrenen Mitarbeitern darauf, dass sie sich im Laufe ihres Arbeitslebens kontinuierlich weiterbilden“, so Theile. Für Mitarbeiter, die über eine Weiterbildung oder ein berufsbegleitendes Studium nachdenken, um ihre Karriere voran zu treiben, ist momentan ein guter Zeitpunkt. Viele Unternehmen setzen jetzt auf Weiterbildungsmaßnahmen: „Gerade in der aktuellen Situation können sich z. B. Mitarbeiter, die momentan kurz arbeiten, für andere Aufgaben im Unternehmen qualifizieren und haben so bereits jetzt die Möglichkeit, wieder eine Vollbeschäftigung aufzunehmen“, erklärt Wurst. „Wir nutzen mögliche Zeitfenster, um Mitarbeiter gezielt zu qualifizieren. Daher hat die duisport-Gruppe trotz der aktuellen Wirtschaftslage ihre Ausbildungsquote 2009 deutlich erhöht, um auch zukünftig qualifizierte Fachkräfte aus den eigenen Reihen heranbilden zu können“, bestätigt auch Mohnfelder. Dies gilt allerdings nicht zwingend nur für Krisenzeiten, sondern generell, wie Kramm betont: „Kurzfristige Freiräume in der Auslastung werden gerne zur Weiterbildung genutzt, z.B. für Staplerscheine für die Bauleiter, Sicherheitstrainings, Sprachkurse etc.“ Die Weiterbildung der Mitarbeiter hat bei den Befragten einen sehr großen Stellenwert. „Anspruch und Ziel unserer Weiterbildungsaktivitäten ist es, unsere Mitarbeiter langfristig darin zu unterstützen, ihre Fähigkeiten auszubauen, ihren Wissensstand zu reflektieren und kontinuierlich zu lernen. Auch in finanzieller Hinsicht wird hier von Unternehmensseite maßgeblich in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert“, so Mohnfelder. Die meisten Unternehmen bieten Unterstützung, sei es durch interne Kurse und Schulungen oder durch ein Weiterbildungsbudget, mit dem der einzelne Mitarbeiter gefördert wird. Gleichzeitig wird aber eigenes Engagement erwartet: „Wir bieten ein modular aufgebautes Weiterbildungsprogramm an und arbeiten mit einem externen Dienstleister zusammen. Mit ihm haben wir ein- bis dreitägige Schulungsmodule entwickelt, die auf die einzelnen Karrierestufen zugeschnitten sind. Abhängig von der Karrierestufe müssen die Mitarbeiter bis zu zehn Module erfolgreich besucht haben, um den nächsten Karriereschritt machen zu können. D. h., diese Schulungen sind für jeden Mitarbeiter bis hin zu den Führungskräften verpflichtend. Neben den internen Schulungen können Mitarbeiter auch andere Weiterbildungen gemäß ihres Bedarfes bei externen Anbietern in Anspruch nehmen, wie z. B. einen Sprachkurs. Hier verlangen wir Eigeninitiative“, erläutert Geitz das i+o-Konzept zur Weiterbildung. Dem stimmt auch Barz zu: „Für Weiterbildung und Weiterentwicklung haben wir ein Budget, und je nach Programm, z.B. bei der Teilnahme an einem MBA-Programm, wird auch ein Eigenengagement erwartet.“ Zusätzlich werden private Investitionen in die Weiterbildung nicht nur von Unternehmensseite gefördert, es gibt auch zahlreiche andere Unterstützungsangebote. So bieten staatliche Einrichtungen, die Bundesländer und zahlreiche Stiftungen Stipendien und Bildungskredite. Darüber hinaus gibt es erhebliche Steuervorteile für berufsbegleitende Studien, bei einem Erststudium können jährlich bis 4 000 Euro als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Neben den Studiengebühren können auch Aufwendungen für Fachbücher, Schreibmaterial sowie Kosten für Fahrten, Verpflegung und Unterbringung angerechnet werden. Für ein Zweit- oder Aufbaustudium sind die Ausgaben i. d. R. sogar vollständig als Werbungskosten absetzbar.1) Wichtig bei der Planung der Maßnahmen ist natürlich auch die richtige Auswahl der Programme. Auch hier bieten die Unternehmen Hilfestellung: Bei der Deutschen Post DHL werden „im Rahmen von Entwicklungskonferenzen die Entwicklungsfelder der Mitarbeiter diskutiert und vereinbart. So wird sichergestellt, dass aus der Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten die passenden Angebote gefunden werden“, unterstreicht Barz. Gleiches gilt auch für Hermes, dort wird auf individuelle Betreuung ebenfalls großer Wert gelegt: „Wir führen z. B. regelmäßige Orientierungsgespräche, um gemeinsam mit den Mitarbeitern und ihren Vorgesetzen die berufliche Situation zu analysieren und den weiteren Kurs festzulegen. So können die Mitarbeiter ihre Weiterentwicklung genau im Blick behalten und auf lange Sicht Fortbildungsmaßnahmen planen“, erläutert Theile. Und diese genaue Planung aller Karriereschritte gilt für alle. Egal, ob die Karriere nach einem Vollzeit-Studium beginnen soll oder berufsbegleitend vorangetrieben wird, ein Bewerber oder Mitarbeiter muss genau wissen, was er will. Jeder sollte sich fragen: Was ist mir bei einem Arbeitgeber wichtig? Welche Art von Arbeit möchte ich später machen? Welche Karriereschritte möchte ich erreichen? „Für die Attraktivität auf dem Stellenmarkt ist es wichtig, den für sich richtigen Ausbildungsweg an der richtigen Hochschule gewählt zu haben, damit man sein Studium erfolgreich gestalten kann“, mahnt Geitz. Doch im Bereich Planung sehen die Experten vielschichtigen Handlungsbedarf, denn eine noch so gezielte Karriereausrichtung nützt nichts, macht sie sich z. B. bei der Bewerbung nicht bemerkbar: „Eigentlich liegt es auf der Hand, dass sich Bewerber vorab gut über das Unternehmen und auch über die Inhalte der anvisierten Stelle informieren, auf die sie sich bewerben. Dennoch erleben wir in diesem Punkt immer wieder Überraschungen“, so Theile. Um die Wunschstelle zu bekommen, muss der Bewerber auch klar zeigen, dass er sich über seine eigenen Fähigkeiten und Ziele im Klaren ist. „Man erkennt schnell, ob sich jemand mit individuell verfassten Unterlagen auf eine bestimmte Stelle bewirbt oder ein universelles Bewerbungsschreiben bei mehreren Unternehmen für unterschiedliche Positionen platziert. Kann man der Bewerbung nicht entnehmen, warum sich der Kandidat für eben diese Stelle und eben dieses Unternehmen interessiert, hinterlässt das nichts, außer einem schlechten Eindruck“, bestätigt auch Wurst. Sicherlich ist die derzeitige Arbeitsmarktsituation schwieriger, aber gerade jetzt gilt es, jede Chance zu nutzen, um sich weiter zu qualifizieren, „Lücken“ im Lebenslauf zu schließen oder evtl. die geforderte Praxiserfahrung zu erweitern. „Auch wenn Praktika nicht direkt den erhofften Geldsegen bringen, sind sie oft ein guter Einstieg in ein Unternehmen“, ermuntert Kramm, und fügt hinzu: „Vor allen Dingen sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken, es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Und dann heißt es, optimal vorbereitet zu sein. Bettina v. Janczewski 1) Eine kurze Zusammenfassung der Fördermöglichkeiten und Links zu einzelnen Bundesländern und Stiftungen finden Sie z. B. unter: IMPRESSUM | © SPRINGER-VDI-VERLAG 2010
|