Montag, den 18. Dezember 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 06-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Spielbasierte Ansätze

Gamification | Die Entwicklungen im Kontext der Industrie 4.0 werden die Prozesse, Organisation und Technik in Produktions- und Logistiksystemen stark verändern. Unternehmen können ihre Wettbewerbsfähigkeit nur sichern, wenn sie den Herausforderungen der Digitalisierung mit der konsequenten Begleitung der Veränderungsprozesse und der systematischen Befähigung der Mitarbeiter mit innovativen und aktivierenden Ansätzen der kompetenzorientierten Weiterbildung begegnen. Neue Ansätze und Technologien wie Gamification und virtuelle Realität bergen hierbei große Potenziale, insbesondere in der Kompetenzentwicklung einen innovativen Beitrag zu leisten. Der Beitrag stellt die Motivation und die Zielsetzung des Verbundprojekts „CreaLOGtiv – Kreativwirtschaftliche Entwicklung einer spielbasierten Lernumgebung für die Logistik 4.0“ und die ersten Ergebnisse vor.


Autonome Transportsysteme, intelligente Behälter oder Paletten sowie Roboter- und Automatisierungstechnik stellen „Zunkunftstechnologien“ dar, die die innenbetriebliche Prozesslandschaft in der Logistik und im produktionslogistischen Umfeld stark verändern werden. Einen beispielhaften Überblick der technologischen Lösungen im Kontext der Industrie 4.0 wird in Straub et al. 2017 gegeben.
Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung zwischen Mensch und Maschine in Arbeitssystemen der „Social Networked Industry“ wird durch die wachsende Flexibilisierung des arbeitsorganisatorischen Rahmens der Logistik unterstützt. Nach ten Hompel beschreibt „Social Networked Industry“ den Menschen als inhärenten Aspekt in der Industrie 4.0 und begreift diese als soziotechnisches System, in dem der Mensch ebenso mit anderen Menschen wie mit Maschinen zusammenarbeitet. Als Beispiele des arbeitsorganisatorischen Rahmens lassen sich flexible Arbeitszeitmodelle und Remote-Arbeit bzw. flexible Selbststeuerung aufführen. Diese technologischen und organisatorischen Veränderungen sind insbesondere im operativen Bereich der Logistik verstärkt zu spüren und werden den Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter transformieren. Vor diesem Hintergrund stehen Unternehmen aktuell vor der Herausforderung, die zukünftigen Kompetenzanforderungen zu antizipieren, um die entsprechenden betrieblichen Kompetenzentwicklungsprozesse proaktiv zu gestalten.
Die Veränderungen im Kontext der Industrie 4.0 und deren Einfluss auf die Arbeitswelt, Arbeitsorganisation, Arbeitsaufgaben und Kompetenzanforderungen sind zurzeit Bestandteil zahlreicher Publikationen wie bspw. Ahrens & Spöttl 2016 und Studien wie bspw. Spath 2013; Spöttl et al. 2016; Hirschkreisen & Ittermann 2015; Impuls 2015; BCG 2015.
Als Ergebnis der Literatur- Studienanalyse lassen sich die Auswirkungen der Digitalisierung und Autonomisierung der Logistikprozesse in der Industrie 4.0 auf die Kompetenzanforderungen wie folgt zusammenfassen:

• Routinetätigkeiten, wie z. B. die Erfassung, Dokumentation  und  Systemeinbuchungen  von  Güterbewegungen oder die Ermittlung von Frachtgewicht und -volumen, werden im Zuge der Automatisierungsmöglichkeiten abnehmen.
• Der  zunehmende  Einsatz digitaler Medien und Technologien wird den entsprechenden  fachgerechten Umgang,  z. B.  mit  mobilen Geräten  oder  Assistenzsystemen,  erforderlich  machen.
• Prozessverständnis  und Problemlösungskompetenz werden  zu  wichtigen Schlüsselkompetenzen.
• Soziale  und  kommunikative  Kompetenz  werden  zur Voraussetzung  für  „Social  Manufacturing  and  Logistics“.
• Die bisherigen Aufgabenbereiche  werden  um  wertschöpfende  Tätigkeiten (z. B.  Montagetätigkeiten oder Abwicklung von additiven  Fertigungsprozessen) sowie  Aufgaben  des  Störungsmanagements  und Instandhaltung erweitert.
• Informationskompetenz wird  zur  Voraussetzung  für optimierte  Entscheidungsfindung mit Assistenzsystemen.
• Vertieftes  technisches  Verständnis  wird  das  Anforderungsprofil  an  Berufsbildern wie z. B. „Fachkraft für Lagerlogistik“ erweitern.
• Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeiter  werden  flexibler eingesetzt.
• Die Bereitschaft und Fähigkeit  von  Mitarbeiterinnen und  Mitarbeitern,  selbstständig  zu  lernen,  wird  an Bedeutung gewinnen.
• Innovative  Arbeitsformen, dezentrale  Verantwortung und Kollektivarbeit werden zunehmen.

Neue Herausforderungen für die Kompetenzentwicklung

Diese Veränderungen der Arbeitswelt in der operativen Logistik 4.0 sind auf der einen Seite notwendig, um eine effektive Systembeherrschung der Industrie 4.0 zu realisieren. Auf der anderen Seite ziehen diese deutlich veränderten Anforderungen an die Kompetenzen der Beschäftigten nach sich. Insbesondere das Verständnis von Prozesszusammenhängen sowie die Wechselwirkung von Prozess, Technik und Organisationen werden entscheidend für die kompetente Durchführung dieser neuen Aufgaben. Demnach werden vermehrt metakognitive Kompetenzen, wie Problemlöse- und Entscheidungsfähigkeit sowie effiziente Kommunikation und ganzheitliches Prozessverständnis gefordert. Die daraus resultierende Notwendigkeit, verstärkt prozedurales Wissen aufzubauen und Handlungskompetenz in komplexen Prozesszusammenhängen zu entwickeln, stellt die aktuellen Ansätze und Methoden zur Kompetenzentwicklung sowie die betriebliche Weiterbildungspraxis vor neue Herausforderungen. Im Gegensatz zu deklarativem Wissen, das sich auf Faktenwissen über z. B. Öffnungszeiten oder Gefahrensymbole bezieht, beschreibt prozedurales Wissen Handlungswissen und impliziert die Transferleistung in unterschiedliche Kontexte. Hierbei steht demnach das Wissen über die angemessene Durchführung einer Handlung und ihre praktische Durchführung im Vordergrund.

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Autoren

Dipl.-Päd. Sandra Kaczmarek

Dipl.-Logist. Natalia Straub

Prof. Dr. Michael Henke

Institutsleiter am Fraunhofer IML und Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmenslogistik der TU Dortmund.

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