Montag, den 18. Dezember 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Logistik aus dem Drucker

Software als Bindeglied | Schrauben, Zahnräder, Turbinenflügel – Metallteile aus dem 3D-Drucker sind längst Realität. Nicht nur im Flugzeug- und Automobilbau, auch in anderen Industriezweigen findet man für additive Verfahren, landläufig 3D-Druck genannt, ständig neue Verwendung. Für die Produktionsbranche ist das ein bedeutender Wandel, der weite Kreise zieht. Auch in der Logistik spürt man die Auswirkungen. Ein Beispiel ist die Produktion von Ersatzteilen: die Herstellung selbst geht in Windeseile, doch die Supply Chain zwischen 3D-Drucker und Auftraggeber wird anspruchsvoller. Hier könnten intelligente Software-Plattformen zum entscheidenden Bindeglied zwischen Produktion und Logistik werden.


Der 3D-Druck ist kein Trend, der vorüberzieht. Im Gegenteil: Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt für dieses Jahr nochmals ein exorbitantes Wachstum für den 3D-Druckermarkt. Bis Ende des Jahres sollen über 490 000 Geräte weltweit ausgeliefert sein. 2019 sollen es pro Jahr schon 5,6 Mio. Stück sein. Mit additiven Produktionsverfahren wie dem 3D-Druck ändern sich nicht nur die Anforderungen an Logistiker, sondern auch Geschäftsfelder und strategische Ausrichtung. Die Herausforderung besteht darin, sich intelligent in die Wertschöpfungsketten der Industrie einzubringen.

Die logistischen Wertschöpfungsketten im Wandel

Mit dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt Add2Log soll die Lieferzeit von Ersatzteilen deutlich reduziert werden. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der 3D-Druck.

Mit dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt Add2Log soll die Lieferzeit von Ersatzteilen deutlich reduziert werden. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der 3D-Druck.

Die einzelnen Prozessschritte in der Supply Chain der Fertigungsindustrie erfolgen derzeit meist noch nach klassischem Muster: Benötigt ein Kunde beispielsweise schnell ein Ersatzteil für eine Maschine, um mit seiner Produktion fortzufahren, bestellt er es zunächst beim Hersteller, der es aus dem Lager nimmt oder extra anfertigt und mittels Logistiker versendet. Tauchen an einer Stelle Probleme auf, stockt der gesamte Prozess, was letztendlich die Lieferung verzögert und zu einem Produktionsstillstand beim Kunden führt. In Zukunft kann der 3D-Druck dieses klassische Muster neu definieren.

Neue Konzepte zur Effizienzsteigerung

Ersatzteile, die nach Bedarf ausgedruckt werden, würden Lagerfläche, Ressourcen und Zeit sparen. Logistikdienstleister übernehmen vielfach schon heute die Ersatzteillogistik als Dienstleistung. In der klassischen Wertschöpfungskette überbrückt der Logistiker die räumliche Distanz zwischen Hersteller und Abnehmer. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Konzepte zur Effizienzsteigerung und Ausdehnung der Reichweite entwickelt. So sorgt die Bündelung in dezentralen Standorten (sogenannten Fulfillment-Centern) für eine weitreichende globale Abdeckung. Eine ähnliche Effizienzsteigerung wurde in früheren Zeiten beispielsweise mit der Nutzung standardisierter Container erreicht.
Doch was bedeutet der 3D-Druck nun für die Logistik? Ein Beispiel: Ein Unternehmen in Bonn benötigt dringend ein Ersatzteil und fragt dieses beim Logistiker an. Dieser sieht, dass die Bestellung und Lieferung vom Hersteller in Berlin zwei Wochen dauern würde. In Köln jedoch sitzt ein Unternehmen, das für den 3D-Druck dieses Ersatzteils lizensiert ist – innerhalb von zwei Werktagen ist das Stück produziert und beim Kunden in Bonn angekommen.
Diese intelligente Vernetzung von Produktionseinheiten über das Internet ist ein weiterer Schritt in Richtung Industrie 4.0. Dafür müssen jedoch alle Akteure der Wertschöpfungskette – Kunden, Logistiker und Hersteller – über ein Informations- und Koordinationszentrum miteinander vernetzt sein. So weiß der Logistiker, was der Kunde braucht und welcher Hersteller es wie schnell bieten kann. Die technische Lösung dieser Vernetzung kann eine Software-basierte Serviceplattform wie Add2Log sein, für deren Umsetzung sich mehrere Konsortialpartner vereint haben.

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Autoren

 Mathias Mittmann

Business Consultant im Vertriebsbereich „Travel & Transport“ bei der SAG Deutschland GmbH. Zuvor studierte er BWL an der HTWG Konstanz und sammelte während seiner über 10-jährigen Laufbahn bei der Software AG Erfahrungen in internationalen Kundenprojekten. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Herausforderungen und Chancen, die die Digitalisierung auf die Reise-, Transport- und Logistikbranche haben.

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